Wiershausen - Ein altes Leineweberdorf 

Das Dorf Wiershausen, im Jahre 990 in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III. für das Stift Hilwartshausen als Vuizzereshuson erstmals erwähnt und bis 1972 ein selbständiges Dorf, ist seit dem 1. Januar 1973 ein Ortsteil der Stadt Hann.Münden. Mit rund 800 Einwohnern liegt es in einem von Bergen und Wäldern umkränzten Höhental, 5 km südöstlich der Kernstadt Hann. Münden, an einem früheren Handelsweg, der aus dem Mündener Talkessel über Hermannshagen,Wiershausen, Meensen, Jühnde, Mengershausen in das Leinetal führte.

Durch die das Dorf umgebenden Berge und Wälder war die Wiershäuser Feldmark,die auch noch von einer Anzahl Schluchten und Senken durchzogen ist, von jeher sehr eingeschränkt, so das Landwirtschaft im größeren Rahmen, wie beispielsweise im Nachbardorf Lippoldshausen mit seinen 13 Ackergütern, hier nicht möglich ist.

Der Mangel an Ländereien nötigte die Wiershäuser Einwohner, sich schon sehr früh zusätzliche Nahrungszweige zu verschaffen. Die in hiesiger Feldmark reichlich vorhandenen Lehmböden boten sich geradezu an, Flachs anzubauen und neben Landwirtschaft noch Leineweberei zu betreiben. Es ist anzunehmen, dass der Flachsanbau und dessen Weiterverarbeitung schon zur Frühgeschichte unseres Dorfes gehören.

Obwohl noch keine hundert Jahre vergangen sind, seit die Leineweberei hier zum Erliegen kam, sind Aufzeichnungen über diese Zeitepoche im Ort nur ganz geringfügig vorhanden. Erste Hinweise auf die Leineweberei in Wiershausen finden sich in Mündener Aufzeichnungen aus den Jahren 1397 und 1398 über die Hofhaltung im herzoglichen Schlosse zu Münden. Aus diesen Aufzeichnungen geht hervor, dass Wiershausen neben anderen Naturalien auch graues Tuch an den herzoglichen Hof liefern mußte, woraus Bekleidung für die Bediensteten und Monturen für die Wachen hergestellt wurden. Mit dem grauen Tuch ist aber nichts anderes gemeint als Wiershäuser Leinwand, die nach einem Bericht des Pastors Schilling aus dem Jahre 1791 noch “teils greiß, teils weiß” hergestellt wurde.

In einer am 19. Februar 1719 erstellten “Specificatio der Leineweber im
Untergericht des Amtes Münden” ist Wiershausen mit 58 Leinewebern aufgeführt. Zu dieser Zeit kann Wiershausen schätzungsweise um die 300 Einwohner gehabt haben im Vergleich zu den bekannten Einwohnerzahlen: 1689 = 278, 1791 = 450, 1821 = 509

Was von Generation zu Generation an althergebrachten Arbeitstechniken
weitergereicht und weiterentwickelt worden war, wurde im 19. Jahrhundert
innerhalb weniger Jahrzehnte vom technischen Fortschritt überholt. Es lohnte sich nicht mehr, die Leineweberei auf dem Lande fortzuführen. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts war es in Wiershausen mit der gewerbsmäßig betriebenen Leineweberei vorbei.

Anmerkung:
Dieser Text ist ein Auszug aus der Festschrift 1000 Jahre Wiershausen. Der Text wurde von unserem verstorbenen Ortsheimatspfleger Karl Nelges veröffentlicht.

 

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