Adalbert von Chamisso
und das "Chamisso-Haus" 



Frisch gesungen

Hab' oft im Kreise der Lieben
Im duftigen Grase geruht
Und mir ein Liedlein gesungen,
Und alles war hübsch und gut.

Hab' einsam auch mich gehärmet
In bangem, düsterem Mut
Und habe wieder gesungen,
Und alles war wieder gut.

Und manches, was ich erfahren,
Verkocht' ich in stiller Wut.
Und kam ich wieder zu singen,
War alles auch wieder gut.

Sollst nicht uns lange klagen,
was alles dir wehe tut,
Nur frisch, nur frisch gesungen!
Und alles wird wieder gut.

Adalbert von Chamisso
(1781-1838)
 

Das älteste Haus in Wiershausen, die "Ilseburg", wurde bereits erwähnt.  Von einem weiteren soll hier noch berichtet werden: Das ist die alte Schüttemühle.  Sie wurde 1675 erbaut und mahlte mehrere Jahrhunderte hindurch das Getreide für unser Dorf.

Dieses Fachwerkhaus, wurde von Klaus Wilhelm wunderschön restauriert und hat heute noch eine historische Bedeutung.  Der Dichter Adalbert von Chamisso lag 1805 als Offizier beim Königlich Preußischen Bataillon von Götz hier in Quartier.

Die "Mündenschen Nachrichten" vom 7.9.1950 berichteten anlässlich des Heimatfestes vom 10.9.1950: "Klassischer Besuch in Wiershausen. Adalbert von Chamisso liebte das schöne Werratal."

Als der 24jährige preußische Leutnant von Chamisso im Dezember 1805 in Wiershausen in Quartier lag, war er noch ein unbekannter Mann.  Im September erst hatten die Franzosen des Generals Bernadotte, die den Bauern des Kreises Münden zur Last gefallen waren, unsere Flusstäler in Richtung Süden verlassen, um in die große Schlacht bei Austerlitz zu ziehen.  "Infanterie und Husaren, 50 Offiziere und 974 Mann" hatten in Wiershausen gelegen, wie der Mündener Amtsschreiber, C.E von Ulmenstein, notierte.  Im Dezember waren es nun die Preußen.  Mündens Geschichtsschreiber Wilhelm Lotze druckte einen Brief ab, den Chamisso aus Wiershausen an Vamhagen von Ense schrieb: 

"Ich schreibe Euch aus dem herrlichen Gebirge an den Ufern der Werra und Weser, aus dem Dorfe Wiershausen, wo wir ein paar Tage bleiben, während sich die verschiedenen Korps der Armee ordnen.  Nicht oft wirkt solch prachtvolles Schauspiel mit solcher Macht auf mich.  Die Wolken ziehen, bald regnet es und bald blickt die alte Sonne vom blauen Aether aus den ziehenden Wolken hervor, mit der Wintersaten lächelndem Grün sind die Hügel angetan.  Die hohen Bergwälder erschimmem purpum und golden, die ferneren auf den schön geschwungenen abstufenden Linien des Gebirges überziehet ein dunkles Blau: Auf seinem fernen Scheitel aber ruhen unendliche dunkle Wolken, welche zu ihm sich senken, wie ein seltsamer Kuß, den doch der Himmel der Erde gibt, und die Gebirgswasser rauschen hinab in das Tal, auf daß die Fruchtbarkeit ihm brächten.  Diese Gegend durchschweif ich mit meinem treuen Figaro, wir lagern uns in den rauschen dürren Blättern und lauschen tief zu unseren Füßen dem Erbrausen der Werra aus dem jähen Abgrund des Tales, wo sie sich schlängelt, oder schauen in absehbare Ferne, zu den geheimnisvollen Spielen der Regen- und der Sonnenstrahlen. Dann rückkehr ich zu der engen Kammer und zu unseren Gesprächen, den traulichen, die meine eigene Nahrung sind."
 

In der Schütte-Mühle lag er in Quartier bei Bentrot, den Lotze
noch nicht gekannt hat.  In einem späteren Brief schreibt Chamisso von ihm (und wir sehen da, wie "beliebt" die Preußen im Hannöverschen damals waren):

"Mein
Wirt, der Müller in Wiershausen, hatte auch seine Pferde mit vor die Bagage-Wagen des Kompanie-Chefs spannen müssen und fuhr uns ins Casselsche.  Der wackere Mann peitschte die Tiere nach Herzenslust und schrie ihnen ermahnend zu: Ziehe, ziehe, zieh', was du kannst!  Wir fahren die Preußen aus dem Land."

 

Blick auf das Chamisso-Haus? 

Seitenanfang