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Ferdinand zog es in
die weite Welt
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Das
aufregende und gefährliche Leben eines Wiershäuser Jungen Von
Lorenz Grugel HANN. MÜNDEN. Im Bücherregal der Kasseler Ärztin Dr. Eva Nonn steht in Leinen gebunden ein 250-Seiten-Werk: Die Geschichten ihres Urgroßvaters Ferdinand Kraft. Die Aufzeichnungen des gebürtigen Wiershäusers finden inzwischen in der vierten Generation ihre Leser. Der Grund dafür dürfte nicht nur in der humorvollen Schilderung unzähliger Ereignisse eines Lebens zwischen 1872 und 1943 liegen. Der Lebenslauf schildert zugleich Arbeitsbedingungen in verschiedenen Branchen und bezeugt ein Leben voller Tatkraft trotz vielfältiger Widrigkeiten.
Dabei
lesen sich die Jugenderinnerungen wie Lausbubengeschichten bei Ludwig
Thoma. Vor dem
Konfirmandenunterricht malt Ferdinand die Nase einer Lippoldshäuser
Mitschülerin mit roter Tusche an. Auf dem Mühlenteich springt er auf
gefrorene Eisschollen und stürzt ins Wasser.
Eine Fahrt mit dem örtlichen Müllergesellen nach Hann.
Münden endet im Alkoholrausch, das gewagte Klauen von Kirschen
mit einer Tracht Prügel. Dieses
Jugendleben liegt erst 120 Jahre zurück.
Aber es mutet schon fremd an.
Kinder laufen da sommers wie winters in groben Leinenhemden
umher. Im Herbst sind die Tage auch für die Kleinen der Ernte und
die Nächte dem Dreschen vorbehalten.
Selbst Krankheit durfte den Betrieb nicht aufhalten: Hatte ein
Kind Masern, legte man die gesunden Geschwister gleich mit ins
Krankenbett, in der Hoffnung, sie möchten sich anstecken und könnten
so gleich alle zusammen kuriert werden. Der
Bauernjunge und Sohn eines Bahnbeamten aber lässt sich in seinem Leben
durch nichts beirren und bleibt sich immer
treu. Gegen die Arbeit in
einer Mündener
Schmirgelfabrik
setzt sich Ferdinand ebenso zur Wehr wie gegen das Viehfüttern
in der Landwirtschaft: Er will
Schlosser werden und geht in
Münden in die Lehre.
Zu vergleichsweise harmlosen
Ereignissen - nach einer Geburtstagsfeier stürzt ihm und seinen
Kollegen ein Jauchefass von der Fuldabrücke - gesellen sich ernste:
Ferdinand dreht das Ventil einer Bandsäge auf und die Maschine fliegt
auseinander. Am Schraubstock verbrennt er sich gefährlich die Hand und
erhält obendrein vom Meister dafür eine Ohrfeige.
Der Unglückliche wechselt die Lehrstelle und schließt seine
Ausbildung 1890 in Göttingen ab. "Bevor
der letzte Pfennig abends nicht durch die Kehle geflossen war, war keine
Ruhe. " Dieses Leitmotiv war ein Grund, weshalb der junge
Schlossergeselle seine Wanderschaft zwischen Kassel, Frankfurt, Köln
und Hannover schnell beendete. Auch
das Milität verließ Ferdinand nach kurzer Zeit voller Freude wegen ärztlich
attestierter Kurzsichtigkeit. Sein
Leben aber packte der junge Handwerker weitsichtig an. Zunächst bei
Henschel in Kassel und dann in Berlin zeigte er sich beim Lokomotivbau
hart im Nehmen: Trotz guter Verdienste zog es Ferdinand nach ElsaßLothringen. In einem beispiellosen Arbeitsmarathon wirkte der Schlosser im dortigen Aumetz 26 Jahre lang im Bergbau, im Kinogeschäft, im Handel mit Zugmaschinen und selbst als Bürgermeister der Grenzstadt. Ein schweres Asthmaleiden ließ ihn lediglich die Branche wechseln. Mit seiner Ehefrau Marie baute sich der gebürtige Wiershäuser ein Gasthaus samt Kino und Tanzsaal auf. Selbst ein Gefängnisaufenthalt ohne irgendeine Schuld und die Ausweisung in den Kriegswirren nach dem Ersten Weltkrieg konnten dem gebürtigen Wiershäuser nicht unterkriegen: Die Familie Kraft zog zurück in die Heimat und Ferdinand baute in Kassel Ende der 20er Jahre die Feka-Werke auf, ein Spezialproduzent von Kippfahrzeugen - aus dem Betrieb schied er erst mit seinem Tod im Alter von 71 Jahren aus.
Und heute: Asphalt und Autos prägen heute den Eichhof mit
Zitat
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